„hierbleiben.“-Blog „Job Benefits oder Zitronen?“

Job Benefits sind wie Husten Bonbons, sie schmecken nicht jedem
Wenn ich die Kandidaten Interviews der letzten Wochen und Monate Review passieren lasse, dann habe ich eine Botschaft für alle potentiellen Arbeitgeber – bunte Vielfalt ist auch in den Erwartungshaltungen unserer Kandidaten: Innen angekommen. Wer nach einem Rezept für die 3-4 angesagtesten Add-ons für wertvolle Arbeitskräfte sucht, sollte sich diese Mühe sparen und sie an anderer Stelle investieren.

Wie individuell muss es denn sein?
Ganz einfach, sehr individuell. Kleiner Ausflug gefällig? Definition „Individuell – auf das Individuum, auf einzelne Personen oder Sachen, ihre speziellen Verhältnisse o. Ä. zugeschnitten, ihnen entsprechend“. Wie wollen wir eine 3fache Mutter mit einem pendelnden Absolventen vergleichen? Wo ist der kleinste gemeinsame Benefits Nenner für einen englischsprachigen Softwareentwickler und eine befristete Halbtagskraft in der Kantine? Und wer es jetzt noch nicht ahnen sollte, der Kickertisch oder auch der Obstkorb sind nicht auf den Wunschlisten zu finden.

Was denn dann?
Ich habe meine Interviewten um genau diese Auskunft gebeten – welche Rahmenbedingungen für eine lukrative Arbeitsstelle würdet ihr benennen und zwar in den 3 Kategorien: zwingend, mittelfristig relevant und nice to have. Da kommen natürlich die Klassiker wie: Entfernung zum Wohnort, Entgeltgestaltung oder persönlicher Gestaltungsspielraum. Aber auch bereits schon in der Kategorie „zwingend“ findet sich fast immer der Wunsch nach individuell gestaltbaren Arbeitszeiten und –orten. Und das nicht nach 0815 Manier, sondern durch Zuhören und Verstehen der jeweiligen Lebensumstände der Gesprächspartner:innen. Können die Unternehmen in der Kategorie „mittelfristig relevant“ noch die Nase rümpfen über den Wunsch nach dem mitgebrachten Bürohund, dem Parkplatz, der wirklich guten Kaffeemaschine? Und sind E-Bike-Leasing und Job-Ticket wirklich nur ein „nice to have“?

Jetzt wird es aber zu bunt!
Genau – sag ich doch. Am Anfang stehen immer sehr persönlich geführte Interviews. Zeig mir, wer Du bist, was Dir wichtig ist, wie Du Deine Arbeitskraft am Ziel führendsten einbringen kannst. Bestenfalls verschwindet diese Kategorie Benefits und verschmilzt mit den Rahmenbedingungen des Arbeitsvertrages oder ist nicht mehr der Rede wert. Eine Fachkraft wird nichts Unsinniges oder Kontraproduktives am Arbeitsplatz erwarten, sondern sich in der Regel Gedanken oder sogar Erfahrungen gemacht haben über die Umsetzbarkeit.

Ein letzter Tipp
Probiert es mal mit Vertrauen, nicht mit Unmöglichkeiten. Lieber beidseitig verstanden, wann man erfolgreich ist, als einseitig Regeln festzulegen, wie die Zufriedenheit am Arbeitsplatz auszusehen hat.

von Kerstin Hattar

Original Blogbeitrag