Kein Schwein ruft mich an….

Ich habe gerade meine Kollegin gebeten, mir doch bitte eine E-Mail zu senden, weil ich Sorge habe, dass mein Postfach kaputt ist. Seit 1 Stunde keine einzige E-Mail mehr, nichts, nada, niente, nitschewo. So kann ich nicht arbeiten.

Na gut – es ist Freitag um halb eins und darauf reimt sich einiges, aber noch nicht einmal Werbung für mich? Ich kann also genau in diesem Moment einer Tätigkeit frönen, die man nachdenken nennt. Was will ich heute noch erledigen, welche Schwerpunkte stehen nächste Woche an? Welcher Idee wollte ich schon immer mal mehr Kontur geben? Bei wem habe ich mich schon lange nicht mehr gemeldet? In welchem Fachbuch lohnt es sich derzeit zu blättern? Ich habe Zeit geschenkt bekommen für wichtige, aber nicht dringende Themen. Ihr wisst schon, das linke, obere Fenster im Eisenhower Modell, das eigentlich so wichtig ist und trotzdem nur Kellerfenstergröße im wirklichen Berufsalltag erreicht.

Ich habe mich ja vor fast 3 Jahren entschieden, den beruflichen Neustart zu wagen und habe erst gestern in einem Telefonat mit einem Personalleiter gesagt, dass ich vor allem Geld gegen Zeit, Titel gegen Entschleunigung und dickes Auto gegen selbstbestimmtes Arbeiten getauscht habe. Und er fragte mich, ob das wirklich so eingetreten ist und genau in diesem Moment, wo ich vor meinem sehr überschaubaren E-Mail-Postfach sitze und eine 43 Stunden Woche im Kalender vor mir habe, fällt es mir wieder auf – genauso ist es. Und meine größte Sorge, dass die Aufgaben nicht anspruchsvoll genug sein könnten, habe ich mir eigenhändig widerlegen können – ich kreiere sie mir einfach selbst.

Nun bin ich ja nicht naiv, denn wie ein vormaliger, von mir sehr geschätzter Kollege immer sagte „No action goes, no money flows“, oder war es genau umgekehrt?? Vielleicht habe ich diese Woche nicht genug, oder nicht genug des Richtigen getan, um die erwarteten Ergebnisse einzufahren. Vielleicht bin ich zu oft in meiner Komfortzone unterwegs gewesen und da kann man so schön in der Sonne sitzen… Stopp – also noch einmal ran heute und den Chancendenker Motor angeworfen. Und während ich diese Kolumne schreibe, kommen auch schon wieder die ersten Telefonrückrufe und Antworten rein. Schwein gehabt.

Von Kerstin Hattar